Diskriminierung und Privilegierung

Was verstehen wir unter Diskriminierung und Privilegierung?

Diskriminierung und Privilegierung geschieht auf individueller, institutioneller und struktureller Ebene. Die verschiedenen Ebenen greifen ineinander, verstärken und bedingen sich. Diskriminierungen werden häufig verharmlost. Es wird so getan als ob es nur Diskriminierung auf individueller Ebene gibt. Benachteiligende Handlungen werden dadurch nicht in Verbindung mit gesellschaftlichen Werten (strukturelle Diskriminierung) gesehen. Um Diskriminierung abzubauen ist es wichtig an allen Ebenen anzusetzen.

Ein Beispiel für individuelle Diskriminierung ist, wenn die Person namens Sy von Mitschüler_innen ausgegrenzt wird, weil sie sich als lesbisch geoutet hat. Institutionelle Diskriminierung ist, wenn in Schulbüchern keine lesbischen Paare, sondern nur heterosexuelle abgebildet werden und Homosexualität auch sonst im Unterricht nicht benannt wird. Das heißt Sys sexuelle Orientierung wird durch die Institution Schule unsichtbar gemacht. Strukturelle Diskriminierung sind gesellschaftliche Werte und Normen. Das zeigt sich beispielsweise, dass erst mal davon ausgegangen wird, dass alle Menschen heterosexuell sind. Diese Annahme kann dazu führen, dass lesbische Personen ausgegrenzt werden. Häufig wird nur individuelle Diskriminierung gesehen. Lehrkräfte schreiten hoffentlich ein, wenn Sy beleidigt wird. Um Homodiskriminierung entgegenzuwirken ist es notwendig auch Lehrinhalte und vermittelte Werte und Normen zu hinterfragen.

Alle Menschen haben Vorurteile, die Diskriminierungen stützen verinnerlicht, es ist naheliegend, dass alle Menschen diskriminierend handeln. Daher hat jeder Mensch die Verantwortung sich mit Verinnerlichung auseinanderzusetzen.

Effie wird nicht behindert, möchte sich aber gegen Diskriminierung von Menschen, die behindert werden einsetzen. Trotzdem hat Effie schon einige Male die Begleitpersonen von der neuen Mitschülerin Kim, die einen Rollstuhl benutzt, gefragt ob sie helfen kann. Statt Kim selbst zu fragen hat Effie die Begleitperson angesprochen. Menschen die einen Rollstuhl benutzen passiert es häufig, dass über sie und mit Begleitpersonen, statt mit ihnen selbst gesprochen wird.

Alle Menschen haben immer mehrere Identitäten (Mehrfachzugehörigkeit) und erleben daher in Bezug auf ihre Identitäten mehrere Diskriminierungen und Privilegierungen. Die Überschneidung von mehreren Diskriminierungsformen führen zu neuen Erfahrungen. Es ist wichtig Identitätsmerkmale nicht getrennt voneinander zu betrachten. Verschiedene Merkmals sind immer miteinander verwoben.

Eine weiße Frau wird beispielsweise durch Sexismus benachteiligt und durch Rassismus privilegiert. Außerdem sind ihre Diskriminierungs-, bzw. Privilegierungserfahrungen unter anderem dadurch beeinflusst, wie alt sie ist, ob sie bestimmten Schönheitsnormen entspricht und_oder behindert wird.

Wenn Sy nach der Schule nach Hause kommt ist die Mutter zu Hause und sie machen gemeinsam Hausaufgaben. Abends trifft sich die Mutter oft mit ihren Freundinnen. Sie sprechen darüber wie sie nach den Jahren mit den Kindern wieder in ihre gut bezahlten Jobs einsteigen können.Effies Mutter kommt erst nach Hause, wenn sie schon schläft, da sie zwei Jobs hat. Die Mutter hat, bevor sie nach Deutschland immigriert ist, als Ingenieurin gearbeitet. In Deutschland wird ihre Qualifikation nicht anerkannt. Daher kann sie ihren Beruf nicht ausführen und muss schlecht bezahlte Arbeiten machen.