Empowerment und Sensibilisierung

Was ist unser Verständnis von Empowerment und Sensibilisierung?

Wir orientieren uns an dem Verständnis von Empowerment, welches in der Broschüre “Empowerment aus der People of Color – Perspektive. Reflexionen und Empfehlungen zur Durchführung von Empowerment-Workshops gegen Rassismus” von Halil Can beschrieben wird. Diese ist unter http://bgz-berlin.de/files/empowerment_webbroschuere_barrierefrei.pdf zu finden.

Empowerment hat Selbstbemächtigung zum Ziel. Das heißt für uns, dass Menschen, die diskriminiert werden, gesellschaftliche Ungleichbehandlungen bewusst werden. Außerdem meinen wir mit Selbstbemächtigung, dass eigene Stärken erkannt und gestärkt werden und Umgangsstrategien mit Diskriminierung ausgebaut werden. So ist es möglich ein selbstbestimmtes Leben zu führen und dem „Erleben von Machtlosigkeit und Fremdbestimmung“ (Vgl. Can: 8) etwas entgegen zu setzten.

Sy schämt sich lesbisch zu sein. In einem Empowermentworkshop lernt Sy wie Diskriminierung funktioniert und wem sie nutzt. Das hilft Sy ihrer Scham etwas entgegen zu setzten. Es ist nichts peinlich daran lesbisch zu sein. Sy ist nicht mehr wütent auf sich, sondern auf die Ungerechtigkeit. Es ist ungerecht, dass Sy anders behandelt und ausgegrenzt wird, nur weil sich Sy in ein Mädchen verliebt hat. Niemand kann beeinflussen in wen mensch sich verliebt. Sy lernt außerdem in dem Workshop Reaktionsmöglichkeiten auf doofe Sprüche. Das gibt Sy mehr Sicherheit.

Ferner gehört für uns zum Ziel von Empowerment, dass mehr Gerechtigkeit entsteht. So „bezeichnet Empowerment also einen konflikthaften Prozess der Umverteilung von politischer Macht“ (Can: 8). Dabei sollten die Fähigkeiten und Möglichkeiten eines diskriminierten Menschen „Ausgangs- und Mittelpunkt für individuelle und gesellschaftliche Veränderungen“ (Can: 8) sein.

Eine Trans*jugendliche Person namens Nuh sieht, dass nicht das eigene Geschlecht falsch ist, sondern Cissexismus und Trans*diskriminierung die Mechanismen, die Nuh das Gefühl geben „falsch zu sein“. Nuh möchte sich für die eigenen Recht einsetzten und ist motiviert sich als Schülersprecher_in wählen zu lassen. Nuh gründet eine Arbeitsgruppe, welche die Forderung nach Allgender-Toiletten immer wieder bei der Schulleitung vorbringt.

Wo kommt Empowerment her?

Empowerment ist nicht neu. Prozesse der Selbstbemächtigung sind und waren schon immer Teil der Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg und durch die Unabhängigkeits- und Befreiungsbewegungen der kolonisierten Länder war Selbstbemächtigung notwendig. Der Begriff „Empowerment“ wurde in den USA schon Ende des 19. Jahrhunderts innerhalb Sozialer Arbeit genutzt. Als politisches Konzept verbreitete es sich durch die Schwarze Bürgerrechts-, die feministische Frauen- und Selbsthilfebewegung ab 1960.

 

Sensibilisierung hat zum Ziel ein Bewusstsein für eigene Privilegien bei Menschen, die von bestimmten Formen von Diskriminierung profitieren zu schaffen. Dazu kann gehören sich über die Lebenslage von bestimmten Menschen anhand von Workshops, Videos oder Texten zu informieren.

Sy hat sich etwas mehr mit Rassismus beschäftigt. Sie versteht nun etwas besser was weiße Privilegien sind und kann nachvollziehen warum es für POCs wichtig ist eine Gruppe aus Menschen, die Rassismus erleben, zu haben. Sy mag es ja auch total gerne mit anderern lesbischen Leuten Zeit zu verbringen.

 Außerdem ist es wichtig sich bewusst zu machen welche Vorurteile das eigene Handeln beeinflussen und wie die eigenen Privilegien genutzt werden können, damit mehr Menschen Vorteile haben.

Die Cisgeschlechtlichen Klassensprecher_innen von Nuhs Schule erkennen – nach einem Sensibilisierungsworkshop – dass es gerade für Nuh anstrengend sein kann sich immer und überall für die eigenen Rechte einzusetzten. Sie fragen was Nuh sich von ihnen als Unterstützung wünscht.