Queeres Lexikon

Manche Begriffe im Kontext sexuelle/romantische und geschlechtliche Vielfalt, die beispielsweise in den Medien verwendet werden, sind vorurteilsbehaftet und abwertend. Dem gegenüber wollen wir eine Auswahl an Selbstdefinitionen und deren mögliche Bedeutung stellen. Unser Verständnis der Begriffe ist stark dadurch beeinflusst, an welchem Ort und zu welcher Zeit wir leben. Konkret ist es geprägt durch eine weiß dominierte westliche  Perspektive. An anderen Orten und zu anderen Zeitpunkten war und ist das Verständnis ein anderes. Die Bedeutung von Begriffen ist also kontextabhängig und verändert sich. Wie eine Person einen Begriff versteht, den sie selbst für sich verwendet, steht selbstverständlich über allen Fremddefinitionen.

Viele Begriffe beziehen sich auf das Schwerpunktthema von queer@school, Geschlecht und Sexuelle_Romantische Orientierung. Für weitere Begriffsbeschreibungen empfehlen wir das Glossar der „Initiative Intersektionale Pädagogik“. Dieses findet ihr unter http://www.i-paed-berlin.de/de/Glossar/

 

A

asexuell/ aromantisch … können Selbstbezeichnungen sein für Personen, die wenig oder kein Bedürfnis an sexuellen bzw. romantischen Kontakten mit anderen Personen haben.

 

B

bisexuell/ biromantisch …  („Bi“=“Zwei“) bezeichnet ursprünglich Männer und Frauen, die sich zu Männern und Frauen sexuell hingezogen fühlen und/oder Frauen und Männer lieben. Mittlerweile wird der Begriff darüber hinaus auch von Personen benutzt, die sich zu zwei unterschiedlichen Geschlechtern sexuell hingezogen fühlen und/oder sich verlieben.

 

C

Christopher Street Day
Cis-geschlechtlich … (cis, lateinisch: diesseits) bezeichnet, dass eine Person in Übereinstimmung mit ihrem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht  lebt. Cis-geschlechtlich zu sein entspricht, im Gegensatz zu trans*geschlechtlich, der Norm.
Coming Out …meint den Prozess, sich über etwas bewusst zu werden (inneres Coming Out) und dies eventuell mitzuteilen (äußeres Coming Out).  Es ist kein einmaliges Ereignis. Das Bewusstwerden kann sich auf Gender und/oder (a)sexuelle_(a)romantische Orientierung beziehen, muss das aber nicht. Häufig empfinden queere Personen Druck sich zu outen. Coming Out ist ein weißer westlicher Ansatz.
Cross Dresser_in … ist eine Selbstbezeichnung eines Menschen, der es lsutvoll findet oder “einfach nur schön”, Kleidung zu tragen, die nicht mit ihrem eigenen Geschlecht assoziiert wird. Das Tragen von Kleidung sagt nichts über die Geschlechts-Identität dieser Personen aus. Häufig wird es in Abgrenzung zu dem patologischen Begriff Transvestit verwendet.

 

D

Diskriminierung … ist das Gegenteil von Privilegierung. Es bedeutet, dass ein Mensch benachteiligt, also schlechter behandelt wird, weil dieser zum Beispiel trans*, Schwarz, homosexuell oder arm ist.Menschen wird aufgrund gewisser Merkmale Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen zugeschrieben. Eine Person wird zum Beispiel auf Grund ihrer körperlichen Erscheinung entweder als Kind/Jugendliche_r oder Erwachsener, als Mann oder Frau, als behindert oder nicht-behindert eingelesen. Je nachdem wird der Mensch abgewertet (diskriminiert) oder bevorzugt (privilegiert). Beispiele: Reiche Menschen bekommen bessere medizinische Versorgung als ärmere. Nicht behinderte Menschen haben mehr Zugang zu Arbeitsplätzen und öffentlichen Räumen. Selbstverständlich vereint ein Mensch verschiedene Merkmale in sich und macht dementsprechend unterschiedliche Erfahrungen. Diskriminierung findet auf verschiedenen Stufen statt. Menschen können durch Gesetze und Vorurteile ungleich behandelt werden. Diese Vorurteile können auch dazu führen, dass Menschen diese über sich glauben und daher stark an sich zweifeln beziehungsweise viel von sich halten. Wenn ein schwuler Junge beispielsweise auf dem Pausenhof ständig schwul als Beleidigung hört, könnte er glauben, dass schwul-sein etwas schlechtes sei.
Auf Grund welcher Merkmale Menschen abgewertet und auf Grund welcher aufgewertet werden hat eine sehr lange Geschichte.
Drag …steht ursprünglich für die Abkürzung “Dressed as Girl” und später auch für “Dressed as Guy”. Es ist eine Kunstform, die gesellschaftlicher Geschechterklischees übertreibt und sich darüber lustig macht.
Dyadisch … bedeutet auf Geschlecht bezogen mit einem Körper geboren worden zu sein, der den gewöhnlichen Vorstellung von männlich und weiblich entspricht. Dyadisch entspricht, im Gegensatz zu inter*, der Norm.

 

E

Einteilung in zwei Geschlechter … ist die Vorstellung, dass ausschließlich zwei Geschlechter, nämlich männlich und weiblich, existieren. Ein Fremdwort dafür ist Geschlechterbinarität. An anderen Orten dieser Welt und zu anderen Zeitpunkten haben Geschlecht und diese Einteilung eine andere Bedeutung.

 

G

Geschlecht … Menschen werden meistens bereits vor der  Geburt von Ärzt_innen auf Grund von körperlichen Merkmalen entweder als Junge oder Mädchen eingeteilt.Es geschieht eine Zweiteilung in Junge und Mädchen, obwohl körperliche Merkmale sehr unterschiedlich sein können.Für manche Menschen ist diese Einteilung im Laufe des Lebens nicht stimmig.Je nachdem welcher Kategorie ein Mensch zugewiesen wird, werden verschiedene Erwartungen an ihn gestellt. Dies prägt – wie andere Merkmale auch – das Selbstbild und das Verhalten. Solche Merkmale sind beispielsweise Alter, Staatszugehörigkeit oder Religion.
Gender_gap Der Unterstrich (z.B. bei Schüler_innen) ist als Platzhalter gedacht, um alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten, die sich nicht in ein Zweigeschlechtersystem fassen lassen, mit zu benennen.
Gender Star* Das Sternchen oder sog. “Wildcard” kommt aus der Computersprache und dient dort als Platzhalter für eine beliebige Anzahl und Kombination von Buchstaben. Hinter Trans* sollen dadurch alle verschiedenen Identitäten, wie beispielsweise “mit Transitionserfahrung”, Transsexuell oder Transgender mit eingeschlossen werden.
Geschlechtsidentität … beschreibt, ob ich mich als Junge oder Mädchen, als männlich oder weiblich fühle. Manchmal reichen diese zwei Kategorien jedoch nicht aus.

 

H

Hautfarbe (Diese Definition stammt von dem Projekt i-PÄD und ist zu finden unter: http://www.i-paed-berlin.de/de/Glossar/) An dieser Stelle ein kleiner Exkurs zu Hautfarbe, als einem wichtigen Bestandteil von Rassismus. In der rassistischen Logik funktioniert Hautfarbe als Projektionsfläche für rassistische Vorstellungen. Das be-deutet, dass die Hautfarbe einer Person zu einem Marker wird, der festlegt, ob betreffende Person über mehr, weniger oder gar keine Privilegien in Bezug auf Rassismus verfügt. Die rassistische Logik benutzt seit Beginn der europäischen Kolonialzeit Hautfarbe als Merkmal, um Menschen zu ‚klassifizieren‘ und Ihnen vermeintliche Eigenschaften zu- bzw. abzusprechen. Diese Unterschiede sind konstruiert, dass heißt sie entsprechen in diesem Fall nicht der Wahrheit, sondern dienen der Aufrechterhaltung eines rassistischen Systems. Denn nur so konnte und kann die Ausbeutung, Misshandlung und Ermordung von Menschen im Kolonialismus gerechtfertigt werden. Für viele Menschen ist es anfänglich schwer zu verstehen, dass es in der rassistischen Ideologie nicht um Hautfarben im eigentlichen Sinne geht. Betrachten wir jedoch, die Entwicklung von weiß-Sein, wird schnell klar, dass Menschen die heute als weiß gelten dies nicht immer taten. Beispielsweise forderten Hafenarbeiter im New York des 19. Jahrhunderts, ihr Viertel solle weiß bleiben und damit meinten sie neben z. B. Afro-Amerikaner_innen „keine Ir_innen” und „keine Deutschen”.
Heterosexuell / heteroromantisch … kann eine Selbstbezeichnung sein für Frauen_Mädchen, die sich zu Männern_Jungen sexuell hingezogen fühlen/sich verlieben bzw. umgekehrt. In der Regel wird davon ausgegangen, dass alle Menschen heterosexuell sind. Das wird Heteronormativität genannt. Heterosexuelle Personen werden in der Gesellschaft bevorzugt.
Homosexuell / homoromantisch … ist ein Überbegriff für „Lesbisch“ und „Schwul“. Er kommt aus dem griechischen: „Homo“=“Gleich“.

 

I

Inter* … umschreibt die gelebte Erfahrung, mit einem Körper geboren zu sein, der den gewöhnlichen Vorstellungen von männlich und weiblich nicht entspricht. Dies führt noch heute zu Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen, wie z.B. uneingewilligte geschlechtsverändernde Eingriffe. Auch äußere Geschlechtsmerkmale sind der Einteilung in zwei Geschlechter und der gesellschaftlichen Annahmen in Bezug auf Geschlecht unterworfen. Inter* kann auch im Laufe des Lebens mit beispielsweise Einbruch der Pubertät einsetzen. Manchen Personen wird unter Umständen niemals bewusst, dass sie inter* geboren wurden. Inter* Personen können cis-geschlechtlich oder trans* sein und alle Selbstbezeichnungen von sexueller und romantischer Orientierung für sich verwenden.

 

L

lesbisch …kann eine Selbstbezeichnung für eine sexuelle Orientierung sein bei der sich Mädchen zu anderen Mädchen sexuell hingezogen fühlen. Außerdem bezeichnet es eine romantische Orientierung, die von Mädchen genutzt wird, die sich in Mädchen verlieben. Gleiches gilt für Frauen, die sich in andere Frauen verlieben / sich zu ihnen sexuell hingezogen fühlen.
LSBATTNIQQ*

 

M

Mehrfachzugehörigkeit … beschreibt, dass die Lebensrealitäten von Menschen sehr unterschied-lich sein können. Beispielsweise können in Deutschland lebende (queere) Menschen aus verschiedenen Ländern kommen, arm oder reich, jung oder alt sein und/oder behindert oder nicht behindert werden. Je nach dem kann ein Mensch verschiedene Benachteiligungserfahrungen erleben.

 

N

Nichtbinär
Genderqueer,
Genderfluid,
Agender, …
…können Selbstbezeichnungen für Menschen sein, die sich außerhalb der Einteilung in zwei Geschlechter verorten. Das kann bedeuten, dass sich ein Mensch weder weiblich noch männlich versteht oder nicht ausschließlich.

 

P

Pansexuell/ Panromantisch … (Griechisch: „Pan“=“Alle“) kann eine Selbstbezeichnung sein für Personen, die sich zu Personen jeden Geschlechts sexuell hingezogen fühlen und/oder Personen jeden Geschlechts lieben.
Privilegierung … ist das Gegenteil von Diskriminierung. Es bedeutet, dass ein Mensch bevorzugt, also besser behandelt wird, weil dieser zum Beispiel cis-geschlechtlich, weiß, heterosexuell oder reich ist.
Menschen wird aufgrund gewisser Merkmale Zugehörigkeit zu bestimm-ten Gruppen zugeschrieben.
Eine Person wird zum Beispiel auf Grund ihrer körperlichen Erscheinung entweder als Kind/Jugendliche_r oder Erwachsener, als Mann oder Frau, als behindert oder nicht-behindert eingelesen. Je nachdem wird der Mensch abgewertet (diskriminiert) oder bevorzugt (privilegiert). Beispiele: Reiche Menschen bekommen bessere medizinische Versorgung als ärmere. Nicht behinderte Menschen haben mehr Zugang zu Arbeits-plätzen und öffentlichen Räumen. Privilegierung findet auf verschiedenen Stufen statt. Menschen können durch Gesetze und Vorurteile ungleich behandelt werden. Auf Grund welcher Merkmale Menschen abgewertet und auf Grund wel-cher aufgewertet werden hat eine sehr lange Geschichte.

 

Q

Queer … stammt ursprünglich aus dem Englischen und entstand als Schimpfwort. Mittlerweile ist der Begriff außerhalb des Englischsprachigen Raumes geläufig, eine Selbstbezeichnung und ein politischer Begriff, der sich gegen Normen richtet. Er schließt vielfältige Formen von sexueller/romantischer Orientierung und Geschlechtsidentitäten ein, die von Heteronormativität abweichen. Außerdem verbinden wir mit dem Begriff, dass Diskriminierungsformen nicht getrennt voneinander betrachtet werden können.

 

R

Regenbogenfamilie
Romantische Orientierung … … ist ein Oberbegriff für alle Selbstbezeichnungen, die beschreiben, zu Personen welchen Geschlechts sich ein Mensch romantisch hingezogen fühlen kann. Ein Beispiel dafür ist homoromantisch. Bei der Benennung von Orientierungen haben wir jeweils romantische und sexuelle Orientierung berücksichtigt, also neben homoromantisch auch heterosexuell.

 

S

Schwarz (Diese Definition stammt von dem Projekt i-PÄD und ist zu finden unter: http://www.i-paed-berlin.de/de/Glossar/) Ist die korrekte Bezeichnung für Schwarze Menschen, die afrikanische bzw. afrodiasporale Bezüge haben. Afrodiasporal bedeutet, dass Men-schen in ihrer Geschichte verwandtschaftliche Bezüge zum afrikani-schen Kontinent haben. Um den Widerstandscharakter dieses Wortes zu betonen, wird das „S” großgeschrieben. Im Deutschen Kontext exis-tiert auch die Bezeichnung Afrodeutsche_r.
Schwul … kann eine Selbstbezeichnung für eine sexuelle Orientierung sein bei der sich Jungs zu anderen Jungen sexuell hingezogen fühlen. Außerdem bezeichnet es eine romantische Orientierung, die von Jungs genutzt wird, die sich in Jungs verlieben. Gleiches gilt für Männer, die sich in andere Männer verlieben / sich zu ihnen sexuell hingezogen fühlen.
Sexuelle Orientierung … ist ein Oberbegriff für alle Selbstbezeichnungen, die beschreiben, zu Personen welchen Geschlechts sich ein Mensch sexuell hingezogen fühlen kann. Ein Beispiel dafür ist heterosexuell. Bei der Benennung von Orientierungen haben wir jeweils romantische und sexuelle Orientierung berücksichtigt, also neben heterosexuell auch heteroromantisch.

 

T

Trans* … (lateinisch: jenseits) bezeichnet, dass eine Person jenseits des Ge-schlechts lebt, das bei der Geburt zugewiesen wurde. Trans*Personen können alle Selbstbezeichnungen von sexueller und romantischer Orien-tierung für sich verwenden.
Tunte … wird bis heute einerseits als abfällige Fremdbezeichnung für feminine homosexuelle Männer genutzt, wurde in den 1980er Jahren aber von Schwulen als politisierter Begriff zurück erobert. In der schwulen Szene bezeichnet der Begriff, sowohl Männer, die sich weiblich geben, als auch solche, die in parodistischer Weise in die weibliche Geschlechterrolle schlüpfen.

 

W

weiß (Diese Definition stammt von dem Projekt i-PÄD und ist zu finden unter: http://www.i-paed-berlin.de/de/Glossar/) … Im Gegensatz zu den Bezeichnungen Schwarz und PoC ist weiß keine Selbstpositionierung, sondern die Beschreibung einer Realität. Weiß-Sein bedeutet, Privilegien und Macht zu besitzen, wie zum Beispiel das Privileg, sich nicht mit Rassismus auseinanderzusetzen zu müssen. Weiße Menschen haben in Bezug aufs Weiß-Sein leichtere Zugänge zum Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, zu Gesundheitsversorgung und politischer Teilnahme als PoC und Schwarze Menschen. Natürlich gibt es andere Ausschlusskriterien, wie z. B. Klassenzugehörigkeit, die diese Zugänge auch bei weißen Menschen verhindern können. Deutlich wird es z. B., wenn sich Familie Müller und Familie Yilmaz beide für eine Altbauwohnung in Charlottenburg bewerben. Wir können davon ausgehen, dass beide Familien sich die Wohnung leisten können, jedoch Vermieter_innen oft Namen bevorzugen, die als ‘deutscher’ wahrgenommen werden. Weiß-Sein wird als Norm etabliert und als solche nie benannt. Dabei geht es nicht um Hautfarben, sondern politische Begriffe, die den Zugang zu Macht beschreiben.

 

LSBTQ*… eine Abkürzung im deutschsprachigen Raum. Sie steht für Lesbisch-Schwul-Bi-Trans*-Queer. Im englischen Sprachraum wird LGBTQ* verwendet, was für Lesbian-Gay-Bi- Trans*-Queer steht. Das Sternchen hinter der Abkürzung steht für die mögliche Erweiterung z.B. I für intersexuel

RegenbogenfamilieDie beiden männlichen bzw. die beiden weiblichen Elternteile können – sofern dies im jeweiligen Land gesetzlich möglich ist – miteinander verheiratet sein in gleichgeschlechtlicher Ehe oder in eingetragener Partnerschaft oder aber auch in formloser Verbindung miteinander leben

Trans*Oberbegriff für Personen, die sich nicht oder nicht nur mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Das Sternchen (Asterisk) steht als Platzhalter für verschiedene Wort-Ergänzungen, um die Vielfalt von Trans-Realitäten wahrnehmbar zu machen.